Die Zeit einfangen

11.01.2023 | Timo Züst
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Martin Benz an seinem Arbeitstisch mit Loch- und Digitalkamera. Foto: zVg Der Teufner Martin Benz ist ein Fan von Licht – insbesondere von den Zeichnungen des Lichts. Seine Fotografien beobachten einen Menschen oder ein Objekt nicht nur während eines Sekundenbruchteils, sondern während Minuten, Stunden, Tagen oder Wochen. Am Sonntag erzählt er im Rahmen der «NeujahrsTat» in der Hechtremise von seiner Arbeit. Zuhörende dürfen auch selbst zur Kamera greifen. Herr Benz, warum eigentlich Fotografie? Der Ursprung liegt wohl in der Faszination Licht einzufangen. Auch die Laborarbeit der analogen Fotografie hat mich als Jugendlicher sofort begeistert. Zu beobachten, wie auf dem weissen Papier langsam ein Bild entsteht, erstaunt mich immer wieder aufs Neue. Um das Festhalten eines Augenblicks geht es mir aber weniger – ich bevorzuge eine längere Beobachtung bzw. Belichtung. Sie erwähnen die Laborarbeit. Besonders die analoge Fotografie ist ja auch mit Spannung verbunden. Man weiss lange nicht, wie das Foto schliesslich aussehen wird … Das gehört sicher dazu. Das gilt fürs Entwickeln wie auch für die Belichtungszeit. Lange Belichtungszeiten sind unter anderem ein Versuch, die verstrichene Zeit festzuhalten. Das gilt für Porträts-Fotos genauso wie für eine Aufnahme eines Gebäudes oder einer Landschaft. Man sagt, wer fotografiert, hat einen anderen Blick auf die Welt. Stimmen Sie zu? Das ist vermutlich schon so. Allerdings gilt das nicht nur für Fotografen, sondern auch für Zeichnerinnen, Grafiker, Architektinnen etc. Das Foto ist eine Möglichkeit, einen Ausschnitt der Realität festzuhalten. Die Beschäftigung damit liefert einen guten Grund fürs genauere Hinschauen. Und fürs Ausmachen von Spannungsverhältnissen. Die Inbetriebnahme des James-Webb-Weltraumteleskops hat etwas wieder sehr deutlich gemacht: Fotos sind Vergangenheit. Ihre Kamera blickt zwar nicht wie das Teleskop Milliarden Jahre zurück – aber die Aufnahmen sind auch immer eine Aufzeichnung von etwas, das war. Das wird besonders bei ganz langen Belichtungszeiten sichtbar. Zum Beispiel beim Abbruchs eines alten Industriegebäudes. Hier bleibt die Blende wochen- oder monatelang offen. Auf dem Foto sieht man dann das Verstreichen der Zeit. Was bleibt vom alten Gebäude sichtbar? Was schimmert bereits vom neuen durch? Bei Porträt-Aufnahmen mit einer Belichtungszeit von 10 Minuten denke ich hingegen weniger an «Vergangenheit». Das ist eher ein Ausschnitt aus dem Leben dieses Menschen, ein anderer Blick auf die Person. Haben Sie eine Lieblingsfotografin? Nein. Aber es gibt viele, deren Fotografien mich durch den ästhetischen Charakter, Unperfektes oder Geschichten fesseln. Rineke Dijkstra, Volker Gehrling, Oliver Zenklusen, Hannah Villiger … Oder eine eigene Lieblingsaufnahme? Vielleicht die Porträts-Serie. Begonnen habe ich damit in Rom während des Ateliers-Aufenthalts. Weitere habe ich dann in Innerrhoden aufgenommen. Diese Fotos freuen mich wirklich sehr. Und einen Ort, den Sie schon immer fotografieren wollten? Einen ausbrechenden Vulkan vielleicht? Nicht wirklich (lacht). Wenn etwas auftaucht, das mich interessiert, beschäftige ich mich damit. Ich habe keine «Wunsch-Liste». Sie arbeiten oft mit analoger Technik. Was halten Sie von Digitalfotografie? Ich nutze die Digitalfotografie auch selbst – für Tagebuch-Aufnahmen, Schnappschüsse oder Aufträge.     Aber man könnte sagen, das Analoge inspiriert Sie eher? Das ist sicher so. Für Langzeitbelichtung ist analog auch konsequenter. Bei offener Blende scheint das Licht in diesem Fall kontinuierlich auf den Film. Später bei der Entwicklung ist es wieder das Licht, das das Foto vom Film auf das Papier überträgt. Es geht also immer ums Licht. Das mag ich. Aber falls die analoge Fotografie eines Tages komplett aussterben sollte, kann ich auch mit der digitalen Alternative leben. Man könnte ja auch mit einer Lochkamera digital fotografieren. Ich bin da nicht allzu strikt. Nochmal zum Sonntag: Wer kommt, sieht nicht nur Ihre Fotos, sondern kann die Kamera auch selbst in die Hand nehmen, oder? Genau. Ich werde anfangs von meiner Arbeit erzählen und viele Fotos zeigen. Anschliessend werden wir einige Versuche mit der Lochkamera machen. Die Dunkelheit des Winterabends ist dabei natürlich eine besondere Herausforderung – ideal für Langzeitbelichtungen.  tiz

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